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Warum ich Zungenbrecher lieber lese als auswendig spreche

Zwei Übungen, zwei verschiedene Baustellen im Kopf: warum Auswendiglernen bei einer Rolle hilft und bei einem Zungenbrecher nur stört.

In der Sprechtechnik-Ausbildung gilt oft: je öfter du einen Text im Kopf hast, desto besser sprichst du ihn. Bei einer Rolle stimmt das. Bei einem Zungenbrecher nicht — bei mir jedenfalls nicht.

Nimm „Hinter dichtem Fichtendickicht picken dicke Finken tüchtig.“ Lese ich ihn, treffe ich die Lautfolge fast immer sauber. Versuche ich ihn auswendig, aus dem Gedächtnis, rutsche ich öfter ab — bei „Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid“ genauso.

Der Unterschied liegt nicht am Üben, sondern an der Aufgabe selbst. Ein Zungenbrecher ist ein motorisches Problem: Lippen und Zunge müssen eine schwierige Bewegungsfolge exakt treffen. Muss ich den Text zusätzlich aus dem Gedächtnis abrufen, laufen zwei Dinge gleichzeitig — merken und aussprechen. Beim Lesen übernehmen die Augen das Merken, im Kopf bleibt nur noch die Artikulation übrig.

Bei einer Rolle ist das Problem ein anderes: nicht die Aussprache, sondern die Bedeutung. Haltung, Tempo, das Gefühl hinter einem Satz — dafür brauche ich Kapazität im Kopf, die beim Entziffern von Buchstaben draufgeht. Kenne ich den Text auswendig, wird genau diese Kapazität frei.

Zwei Übungen, zwei verschiedene Baustellen im Kopf. Deshalb übe ich Zungenbrecher lesend — und Rollen auswendig.

Lieber hören als lesen?

Drei Hörproben liegen fertig da – Literatur, Dokumentation, Sachbuch. Danach weißt du, ob meine Stimme zu deinem Text passt.